Pflege - Plädoyers für eine Achtungsgesellschaft und Umdenken in der Beratung

Die 14. Auflage des PKV-Forums im Kölner Gürzenich widmete sich erstmals einem einzigen Schwerpunkt – der Pflege – und beleuchtete diesen aus unterschiedlichsten Blickwinkeln. Diese Neuausrichtung erwies sich als voller Erfolg. Denn bei kaum einem Thema ist sowohl in der Bevölkerung als auch bei Versicherungsvermittlern mehr Aufklärungsarbeit notwendig.

Prof. Dr. Richard David PrechtDie Pflege steht vor einem Dilemma, so das Fazit des Eröffnungsredners Prof. Dr. Richard David Precht. Mit einem spannenden Vortrag über Moral und Verantwortung begeisterte der Philosoph und Bestseller-Autor die mehr als 1.000 Gäste im Gürzenich. „Die Menschen streben nach Liebe, Achtung und Wertschätzung. Davon möchten sie im Alter nicht weniger, sie wollen in einer Achtungskultur alt werden. Doch wenn wir eine Gesellschaft betrachten, die immer mehr nach Lösungen sucht, bei denen Technik zum Einsatz kommt, sehen wir das Dilemma, vor dem wir stehen“, so Precht.

„Wir haben einen Angststillstand im Gesundheitswesen.“
Prof. Dr. Richard David Precht

Bewusstsein für richtige Vorsorge schaffen

Der Gedanke, dass Wertschätzung und Menschlichkeit der fortschreitenden Technisierung sowie dem engen Zeitplan der Pflegekräfte weichen müssen, gefällt niemandem. Darin waren sich auch die Teilnehmer der Podiumsdiskussion am Vormittag einig. 

Doch nur 3 Prozent der Bevölkerung haben eine private Pflegezusatzversicherung, die sie vor einem solchen Szenario bewahren würde. Allein „die Continentale ist für 5 Millionen Mitglieder verantwortlich“, so der Vorstandsvorsitzende Helmut Posch. „Hier müssen wir ein Bewusstsein der Achtsamkeit gegenüber zu pflegenden Menschen im Alter schaffen und Möglichkeiten aufzeigen, um richtige Vorsorge zu treffen“, so Posch weiter.

„Vor nichts haben die Menschen so viel Angst, wie vor der Pflegebedürftigkeit.“
Helmut Posch

Staatliche Pflegeabsicherung nur Teilabsicherung

Diesen Gedanken griff auch der Vortrag von Ulrich Dietz, verantwortlich für Grundsatzfragen der Pflegeversicherung im Bundesministerium für Gesundheit, auf: „Der Staat ist kein Zauberer. Die Gesellschaft muss etwas dazu beitragen“, so Dietz. Der Politiker machte deutlich, dass die staatliche Pflegeabsicherung lediglich eine Teilabsicherung sei und durch Eigenleistungen der Versicherten oder durch Leistungen von Familienangehörigen ergänzt werden müsse. Und auch die Nachbarschaftshilfe soll ab 2015 eine besondere, stärkere Rolle spielen, wie das erste Pflegestärkungsgesetz vorsieht.

„Die privaten Versicherer haben sich im Bereich der Pflegeberatung hervorgetan. Wir profitieren vom Wettbewerb der beiden Systeme.“
Ulrich Dietz

Eine kritische Auseinandersetzung mit dem Umgang der deutschen Politik und den Herausforderungen unserer alternden Gesellschaft war das Thema des profilierten Demografie-Experten Bernd Raffelhüschen. „Die Einführung der Pflegepflichtversicherung war ein Generationenvertrag, in dem Wissen, dass es die Generation, die ihn erfüllen soll, gar nicht gibt“, brachte er es auf den Punkt. So galt sein deutlicher Apell der privaten Vorsorge.

„Wir sind nicht nur das Problem, wir sind die Verursacher. Und der Verursacher räumt auf.“
Prof. Dr. Bernd Raffelhüschen

Wer zahlt die Pflege?


Komplettiert wurde das Thema mit einem Interview zu den rechtlichen Rahmenbedingungen mit dem renommierten Juristen Dr. Theo Langheid. Er stand Moderator Michael Opoczynski Rede und Antwort und führte aus, wer im Pflegefall für die Kosten aufkommt und welche Rolle die Kinder der Pflegebedürftigen dabei einnehmen.

Podiumsdiskussion

„Dass Kinder im Pflegefall für ihre Eltern haften ist nicht neu. Bis auf das Schonvermögen müssen Kinder für ihre Eltern zahlen, wenn diese über kein eigenes Kapital verfügen.“
Theo Langheid

Dr. Christoph Helmich, Vorstandsmitglied im Continentale Versicherungsverbund, griff erneut das Thema der Vermögenssicherung auf, damit Kinder später nicht für ihre Eltern haften müssen: „Um ihr eigenes Vermögen abzusichern, sollten Kinder mit ihren oder für ihre Eltern eine private Pflegezusatzversicherung abschließen.“

„Wir müssen den Maklern Informationen zur Verfügung stellen, um das Generationenproblem deutlich zu machen.“
Dr. Christoph Helmich