18. PKV-Forum+: Da war Leben drin

Dieses Jahr trug das traditionsreiche PKV-Forum zum ersten Mal ein "Plus" in seinem Namen. Denn neben den klassischen Themen der PKV wurde nun auch die Sparte der Lebensversicherung miteinbezogen. Top-Referenten aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft diskutierten unter großem Vermittlerandrang. Die Experten debattierten zu Fragen der Gerechtigkeit im Gesundheitswesen und wagten einen Blick in die Zukunft der Medizin und der Bezahlbarkeit des medizinischen Fortschritts.

„Vorsorge und Versicherung werden heute vernetzter gedacht als vor 20 Jahren“, sagte Vorstandsvorsitzender Dr. Christoph Helmich in seiner Begrüßungsrede. Den Vermittlern solle durch die Lebensversicherungs-Themen aber noch mehr geboten werden - „ein echtes Plus an Informationen“, so unser Vorstandsvorsitzender.

Neben der erweiterten Ausrichtung erhält das PKV-Forum+ auch eine neue Moderatorin. Tanja Samrotzki löst Michael Opoczynski ab. Er hatte fast zwei Jahrzehnte die Veranstaltung moderiert. Die Journalistin und erfahrene Moderatorin führte souverän durch den Veranstaltungstag im Kölner Gürzenich. Dr. Christoph Helmich lobte sie als „Expertin in politischen Runden".

Wie gerecht ist unser Gesundheitssystem?

Den Eröffnungsvortrag „Gerechtigkeit? Was wir vom Staat erwarten" hielt gewohnt gut gelaunt Wolfgang Bosbach. Der langjährige Vorsitzende des Bundestags-Innenausschusses leitete in den Themenbereich „Gerechtigkeit“ ein. Dabei stellte er fest, dass es „keine Definition für Gerechtigkeit gibt.“ Jeder versteht unter Gerechtigkeit etwas Anderes. Daher kann der Staat die Erwartungen der Bevölkerung niemals erfüllen, weil sie einfach zu verschieden sind. Wolfgang Bosbach stellt mit einem zwinkernden Auge fest, dass man als Deutscher ohnehin gerne klage, auch wenn etwa das deutsche Gesundheitssystem zu den besten der Welt zähle. „Sich über etwas freuen, ist einfach nicht unsere Kernkompetenz“, so Bosbach.

Es folgte ein Impulsvortrag zum Thema Gerechtigkeit im deutschen Gesundheitswesen von Prof. Dr. Christiane Woopen, Vorsitzende des Europäischen Ethikrats. Von ihrer Grunddefinition "Gerechtigkeit ist das, was jedem Menschen gerechtfertigterweise als das ihm Angemessene zukommt“ ausgehend erläutert sie verschiedene ethische Thesen zu Verantwortung, Solidarität und Diskriminierung im deutschen Gesundheitswesen. Eine hochkarätig besetzte Expertenrunde stellte sich den aktuellen Fragen zur Gerechtigkeit im deutschen Gesundheitswesen. Teilnehmer waren neben Woopen der CDU-Politiker Wolfgang Bosbach, Continentale-Vorstand Dr. Marcus Kremer, Dr. Florian Reuther (Geschäftsführer Recht des Verbands der Privaten Krankenversicherung e.V.), Bundesärztekammer-Präsident Professor Dr. Frank Ulrich Montgomery sowie Barmer-Vorstandschef Professor Dr. Christoph Straub.

 

Blick in die Zukunft der Medizin

Am Nachmittag wurde der zweite Themenkomplex „Was leistet die Medizin von morgen – was nicht?“ behandelt. Dr. Klaus Reinhardt, Vizepräsident der Ärztekammer Westfalen-Lippe, stellte fest, dass alle drei Jahre das Wissen der Medizin überholt ist. Es gibt zum Beispiel große Fortschritt in der Medizintechnik, wie die Verbesserungen in der Sensorelektronik.

Alfred Beil, Abteilungsleiter Integrated Underwriting Solutions, Munich Re, hielt einen Impulsvortrag zur wichtigen Frage "Medizinischer Fortschritt – was ist morgen noch versicherbar?" Dabei stellte er drei besonders hoffnungsvolle Entwicklungen der Krebs-Genomik vor: die personalisierte Medizin, die Immuntherapie und die sogenannte flüssige Biopsie. Bei der letzten genannten Entwicklung wird in dem Blut nach Erbsubstanz von Krebszellen gesucht. So kann die Krankheit früher diagnostiziert werden als bisher.

Der anschließende Experten-Talk führte die verschiedenen Probleme zusammen und zeigte mögliche Lösungsansätze auf. Neben Dr. Alfred Beil saßen unsere Vorstandsmitglieder Dr. Helmut Hofmeier und Dr. Marcus Kremer in der Runde. Sie diskutierten mit Gesundheitsökonom Prof. Dr. Wasem und dem freien Versicherungsmakler Philip Wenzel zur Zukunft der Medizin.

Den Abschluss machte Deutschlands bekanntester Wissenschaftsjournalist Ranga Yogeshwar. Er blickte auf die sich rasch wandelnde Welt und fragte: Was bleibt? Was ändert sich? Und was bedeutet das für uns? Der Journalist zeigt der Assekuranz eindrucksvoll „Wer Daten hat, ist der Gewinner“ und das seien Internet-Konzerne wie Google. Er warnte die Versicherungsbranche davor, die Kraft der Innovation zu unterschätzen.